Fotografisch weiterentwickeln - aber wie? Part II

Fotografisch weiterentwickeln – aber wie? Part II

Ich hatte ja in einem alten Blogpost schon mal darüber sinniert, dass ich mich abseits von technischen Spielereien auf den Weg machen möchte, mich fotografisch weiterzuentwickeln. Nun sagt sich das leicht, die Frage ist, wie man das anstellen kann. Daher habe ich mir mal ein paar Strategien überlegt, wie man das konkret anstellen könnte, wie man zu neuen Ideen und dahin kommt, seinem eigenen Anspruch an gute Fotos näher zu kommen.

Analog fotografieren

Ich weiß, es klingt mittlerweile abgedroschen, aber wer es mal versucht, wird schnell feststellen, dass man dadurch tatsächlich einen anderen Blick für seine Fotos bekommt. Ich höre schon die Stimmen, die mir widersprechen: „Man kann digital genauso arbeiten, wie analog, man muss nur seinen Auslösefinger im Griff haben“. Wer sich tatsächlich selbst die natürgemäßen Einschränkungen der Analogfotografie beim digital fotografieren künstlich so auferlegen kann, dass er dadurch mir dem gleichen Gefühl und der bedachten Vorgehensweise vorgeht, hat meinen Respekt. Ich konnte das nie. Ich kann auf jeden Fall behaupten, dass mich diese Erfahrung einen großen Schritt nach vorne gebracht hat.

Sich selbst Aufgaben stellen

Oft ist meiner Ansicht nach das Problem, dass man selbst erschlagen ist von den unendlichen Möglichkeiten der Fotografie. Es gibt so viele verschiedene fotografische Themen und Stile, dass es einem schwer fallen kann, sich für etwas zu entscheiden. Ich denke aber, dass eine solche Entscheidung wichtig ist, damit man sich zumindest für einen gewissen Zeitraum auf ein Thema konzentriert und dort auch wirklich weiterkommt. Wenn man alles ein bisschen macht, sich aber mit nichts intensiver auseinandersetzt, wird man auch alles nur ein bisschen können, aber in keinem Thema wirklich gut werden. Hier kann es hilfreich sein, sich selbst ein Thema oder ein Bildstil vorzugeben und sich darauf zu konzentrieren. Beispiele für solche Themen könnten sein:

  • Nur schwarz/weiß im Quadrat, wie Martin Grommel
  • Nur eine Festbrennweite nutzen und mit dessen Wirkung und Bildwinkel experimentieren
  • Nur Details fotografieren, Verzicht auf den Überblick
  • Konzentration auf ein Thema, Beispielsweise Architektur in meiner Stadt
  • Mit einer festen Anzahl Fotos versuchen, eine Geschichte zu erzählen
  • Eine Serie über das samstagliche Markttreiben
  • Fremde Menschen auf der Straße portraitieren, wie Markus Schwarze

Bei der Wahl einer solchen Aufgabe sind der eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt, ich denke aber, dass der folgende Punkt dabei unbedingt berücksichtigt werden sollte, nämlich:

Sich selbst fragen: was interessiert mich?

Ich denke man kann nur gute Fotos von Dingen, Menschen oder Themen machen, die einen wirklich interessieren. Ein Fotograf, der nicht viel von der Institution Ehe hält und mit dem Event Hochzeit nichts anfangen kann, wird vermutlich nie ein guter Hochzeitsfotograf werden. Es fehlt eine entscheidende Zutat, nämlich die eigene Emotion die einen motiviert, genau dieses Thema zu fotografieren. Die Frage sollte also sein, was mich wirklich interessiert, in welchem Bereich ich von innen heraus eine Motivation habe, es zu fotografieren.

Durch Andere inspirieren lassen

Bei der Suche nach dem eigenen fotografischen Interesse, ist es auch sehr hilfreiche, einfach mal zu schauen, was andere machen. Beim betrachten von Fotos anderer Fotografen merke ich in der Regel schnell, ob das Thema und der Bildstil mich ansprechen, etwas in mir auslösen. Dann kann ich mich fragen, was dies genau ist, um damit mich und meine Interessen zu reflektieren. Empfinde ich einen besonderen Reiz an den Fotografien von Henri Cartier-Bresson oder Vivian Maier, kann dies ein Hinweis und Inspiration für meine eigene Richtung sein, in diesem Fall Streetfotografie. Eine weitere Möglichkeit dafür könnte auch sein, einem anderen Fotografen bei seiner Arbeit zu assistieren um so neue Einblicke in die Arbeitsweise anderer Fotografen zu gewinnen.

Neue Orte besuchen

Es wird schwierig sein, auf neue Ideen zu kommen, wenn man sich selbst immer wieder nur den gleichen Eindrücken zuwendet. Es kann also helfen, sich selbst an Orte und in Situationen zu begeben, die neu sind, um damit die eigene Kreativität anzukurbeln und neuen Input zu bekommen. Beispiele könnten Fotoausflüge in unbekannte Städte sein, auch im nahen Umfeld gibt es viel zu entdecken!

Edersee_Panorama

 

Ziele setzen

Man kann Ziele nur erreichen, wenn man auch welche hat. Was einfach klingt, ist es aber nicht unbedingt. Grundvoraussetzung für die eigene Entwicklung ist, dass man überhaupt weiß, wohin man sich entwickeln möchte. Nur so kann ich gezielt das tun, was mich diesem Ziel näher bringt.

Austausch mit anderen Fotografen

Ich hatte schon einige Aha-Erlebnisse beim schlichten reden mit anderen Fotografen zu bestimmten fotografischen Themen. Jeder Mensch denkt ein wenig anders, und so kommt es oft vor, dass der Blickwinkel eines anderen Fotografen einem ganz neue Sichtweisen eröffnen kann. Im Gegensatz zum bloßen betrachten fremder Fotografien, hat man dabei die Möglichkeit hinter die Kulissen zu schauen, im direkten Austausch zu fragen, was sich der Fotograf dabei dachte. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten diesen Kontakt zu suchen, eventuell gibt es sogar einen lokalen Fotoclub mit netten Gleichgesinnten zum Austausch.

Machen!

Zu guter Letzt gilt es natürlich, die Dinge auch einfach zu machen. Die fotografische Entwicklung wird schnell ins Stocken geraten, wenn man sich nur theoretisch mit den Themen auseinandersetzt. Erst das praktische Tun gibt einem die Möglichkeite, theoretisches Wissen in eigene Erfahrungen umzuwandeln.

Wie ist eure Meinung dazu? Was sind eure Strategien um weiterzukommen? Ich freue mich über Kommentare 🙂