Analoge S/W Entwicklung

Schwarzweiß-Entwicklung für (Wieder-)Einsteiger in die Analogfotografie

Die besondere Bildwirkung und die Arbeitsweise beim analog fotografieren sind für viele mittlerweile ein Grund, sich wieder (oder auch zum ersten Mal) mit der Analogfotografie zu beschäftigen. Diese kleine Schritt-für-Schritt Anleitung zum selbst entwickeln eines Schwarzweiß-Films, soll den Einstieg erleichtern.

Was brauche ich alles?

Beginnen möchte ich mit einer Liste von Dingen, die wir zur Entwicklung des Films benötigen. Falls nicht vorhanden, kann sich die Suche nach gebrauchten Teilen bei ebay lohnen, teilweise kann man dort noch immer Schnäppchen bei Anbietern machen, die Ihre Dunkelkammer auflösen. Soll es neu sein, kann ich hierfür FOTOIMPEX in Berlin oder Spürsinn-Shop in Braunschweig empfehlen, beide haben auch einen Online-Shop wo es alles notwendige (und mehr) gibt. Hier gibt es auch oft passende Komplettsets.

Das brauchen wir auf jeden Fall:

  • Entwickler
  • Fixierer
  • Entwicklerdose mit Spirale
  • Thermometer
  • 3 Chemikalienflaschen (1000 ml) (wer auf das Stoppbad verzichten möchte benötigt nur 2!)
  • Trichter
  • Mensur
  • Filmklammern & Gewichte zum aufhängen & trocknen des fertig entwickelten Films.
  • Eine Uhr (mit Sekundenanzeige!)

Das ist optional:

  • Wechselsack (falls kein absolut dunkler Raum zur Verfügung steht)
  • Filmabstreifer (hier scheiden sich die Geister, nicht zwingend notwendig)
  • Netzmittel, damit der Film fleckenfrei trocknet (angeblich tuts auch einfaches Spüli)
  • Essigsäure (für das Stoppbad)
  • Handschuhe und eine Brille sind bei der Arbeit mit Chamikalien empfehlenswert

Die Vorbereitung

Am besten bereiten wir zunächst alles so vor, dass es einsatzbereit ist, wenn wir es benötigen. Als erstes mischen wir uns die Chemie im richtigen Verhältnis und der benötigten Menge.

Film einspulen

Bei diesem Teil hatte ich beim ersten Versuch so meine Schwierigkeiten, falls ihr irgendwo einen alten unbrauchbaren Film herumfliegen habt, würde ich empfehlen, das Einspulen erst mal im Hellen auszuprobieren und auch im Dunkeln einen Testversuch damit zu starten, bevor es ernst wird.

Der belichtete Film muss bei völliger Dunkelheit auf die Spirale der Entwicklerdose gespult und dann in die Dose getan und geschlossen werden. Diese Dose ist so konstruiert, dass Ihr die Flüssigkeiten rein- und rausschütten könnt, aber kein Licht an den Film kommt. Zum Einspulen müsst ihr natürlich zunächst mal an den Film kommen. Bei Rollfilmen ist das kein problem, hier muss nur der Aufkleber abgeknibbelt werden. Bei einem Kleinbildfilm wird es schon etwas schwieriger, legt euch passendes Werkzeug bereit. Es gibt zum Öffnen der Kleinbildfilme auch spezielle Öffner, ich denke aber nicht, dass das unbedingt nötig ist. Eine passende Zange sollte hierfür reichen.

Habt ihr die Dose geöffnet und den Film herausgenommen, muss das Ende des Films in die Spirale außen eingefädelt werden und dann durch wechselseitige Bewegungen der beiden Spiralenseiten in die Spule gezogen. Hier gibt es ein paar Tricks das ganze etwas zu erleichtern. Da das alles schwer zu beschreiben ist, empfehle ich diesen YouTube-Clip zur Verdeutlichung.

Entwickler

Ich nutze als Entwickler das gute alte Rodinal. Je nach Mischverhältnis ergeben sich verschiedene Entwicklungszeiten, ich mische in der Regel im Verhältnis 1:50. Welche Mischverhältnisse möglich sind und welche Entwicklungszeiten sich daraus ergeben, kann man auf http://www.digitaltruth.com/devchart.php nachlesen. Man wählt im Dropdown-Menü auf der linken Seite Film und Entwickler und bekommt dann die möglichen Mischverhältnisse und Zeiten angezeigt. In meinem Fall ergibt die Kombination aus Kodak Tri-X 400 (ISO/ASA 400) und Rodinal bei 1:50 eine Entwicklungszeit von 13 Minuten. Diese Dauer merken wir uns schon mal.

Zum anmischen nehme ich mir das Thermometer und halte es in den laufenden Wasserstrahl im Waschbecken. Nun regle ich dabei so lange die Temperatur nach, bis das Thermometer konstant genau 20° anzeigt. Dann zapfe ich mir genau 500ml Wasser in eine der Chemikalienflaschen. In der Flasche messe ich mit dem Thermometer noch mal nach, ob die Temperatur auch genau passt. Ansonsten muss nachgebessert werden, die Temperatur ist beim Entwickler sehr wichtig! Danach messe ich mit der Mensur die passende Menge Entwickler ab. In meinem Fall brauche ich bei 500ml und 1:50 genau 10ml Rodinal. Diese 10ml schütte ich zu den 500ml in die Chemikalienflasche und verschließe sie. Bei einer Raumtemperatur von ca. 20° wird die Temperatur der Mischung, wenn ich sie dann benötige, noch gut passen.

Stoppbad

Ich nutze zum Unterbrechen des Entwicklungsprozesses ein Stoppbad in 2-prozentiger Essigsäure (manche wässern hier auch auch einfach vor dem Fixieren zwsichen, und sparen sich das). Da 2% einem Verhältnis von 1:50 entsprechen, habe ich wieder das gleiche Mischverhältnis wie beim Entwickler, nämlich 500ml Wasser und 10ml (99-prozentige) Essigsäure. Habt ihr nur geringer dosierte Essigsäure, muss das Verhältnis natürlich entsprechend angepasst werden. Die Temperatur des Stoppbads ist nicht mehr ganz so kritisch wie beim Entwickler, da der Wasserhahn aber eventuell noch auf der 20°-Stellung steht, sollte das etwa hinhauen.

Fixierer

Das Mischverhältnis des Fixierers ist je nach Hersteller unterschiedlich und sollte in der Anleitung oder auf der Flasche stehen. Oft sind dort unterschiedliche Verhältnisse für Film oder Papier angegeben. In meinem Fall ist ein Verhältnis von 1+6 empfohlen, was dann eine Fixierzeit von 1:30 min ergibt. Ich mische also 600ml Wasser mit 100ml Fixierer in der dritten Chemikalienflasche an und versuche das Wasser dafür wiederum bei ca. 20° zu zapfen.

Film ist in der Dose, alles liegt bereit – jetzt wirds spannend

Nachdem nun alles vorbereitet ist, legen wir uns noch die Uhr und den Trichter in Reichweite, es kann los gehen. In kurzen Stichpunkten sieht das weitere Vorgehen so aus:

  • Entwickler für 13 min in die Dose und im Kipprhythmus entwickeln, dann zurück in seine Chemikalienflasche
  • Entwicklung ca. 30s mit Stoppbad unterbrechen, dann in den Ausguss zurück in seine Chemikalienflasche
  • Fixierer für 1:30 min in die Dose und kippen, dann zurück in die Chemikalienflasche
  • Ordentlich Wässern und danach optional ein wenig Netzmittel mit in die Dose
  • Film (abstreifen und) zum Trocknen aufhängen

Etwas ausführlicher, tun wir nun also folgendes. Zunächst einmal öffnen wir den Stopfen (nicht den ganzen Deckel!) von der Entwicklerdose und schütten den Entwickler rein. Stopfen wieder drauf, nun wird im Kipprhythmus für die zu Anfang ermittelte Dauer (bei mir 13 min) gekippt. Nun gibt es ganze Glaubenskriege zum Kipprhythmus, für den Anfang empfehle ich einfach den Standard AGFA-Kipprhythmus: direkt nach dem Einfüllen 30 Sekunden lang immer wieder die Dose auf den Kopf und wieder zurück drehen, nach den 30s dann die Dose unter festerem Aufstoßen auf den Tisch stellen (damit sich eventuelle Bläschen vom Film lösen). Ab jetzt werden wir alle 30 Sekunden einmal kippen, also einmal auf den Kopf drehen, wieder zurück, aufstoßen. Das tun wir so lange, bis die 13 min um sind. Dann sofort den Entwickler zurück in seine Flasche und das Stoppbad in die Filmdose kippen. Die Dose ein wenig schwenken, insgesamt sollten 30 Sekunden reichen.

Nach den 30 Sekunden kippen wir das Stoppbad zurück in seine Flasche und füllen den Fixierer in die Dose. Mit dem Fixierer kippen wir im gleichen Rhythmus wie beim Entwickler, allerdings reichen hier 7 bis 8 Minuten. Ist die Zeit vorbei, kippen wir den Fixierer zurück in seine Flasche und können nun die Dose ganz öffnen und einen ersten vorsichtigen Blick auf den Film werfen, Licht kann ihm nun nichts mehr anhaben. Aber bitte noch aufgespult lassen, sonst klebt der Film beim Wässern zusammen.

Zu guter letzt, bevor wir den Film zum trocknen aufhängen, müssen wir ihn noch ordentlich wässern. Wir lassen also Wasser in die offene Dose laufen und heben und senken die Spirale in der Dose hin und wieder, damit der Film ordentlich umspült wird und der Fixierer ausgewaschen. Macht man das nicht lange genug, hält der Film durch eventuell zurückbleibenden Fixierer nicht so lange. 5 Minuten sollten hier aber auf jeden Fall reichen. Wasser abstellen und bei Bedarf noch ein Tröpfchen Netzmittel in die Dose, die Spule mit dem Film etwas darin bewegen (nicht zu doll, sonst schäumts) und raus damit und runter von der Spule.

Nun kann man das Wasser noch mit einem Abstreifer vom Film ziehen, den Film einfach zwischen Zeige- und Mittelfinger durchziehen tuts aber auch. Dann mit den Filmklammern zum Trocknen aufhängen, ideal ist eine Umgebung mit möglichst wenig Staub. Ich nutze hierfür das Bad, beziehungsweise die Dusche. Jetzt heißt es warten, bis der Film trocken ist. Je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Bad kann das ein wenig dauern. Der Film sollte unbedingt richtig trocken sein, bevor man ihn von den Klammern nimmt (sonst wellt er sich eventuell noch).

Et Voilà, der Film ist fertig und bereit zur Weiterverwendung. Beim ersten Mal erscheint das alles noch sehr viel, aber nach ein paar entwickelten Filmen, ist es nur noch halb so wild.

Mehrfachverwendung und Entsorgung der Chemie

Achtet bei dem von euch bevorzugten Entwickler darauf, ob es sich um einen Einfachentwickler handelt, oder ob er mehrfach verwendet werden kann. Rodinal ist in meinem Fall ein Einmalentwickler und kann nach der Entwicklung direkt entsorgt werden. Es gibt jedoch auch angesetzte Entwickler, die mehrfach verwendet werden können, wie auch der Fixierer. Dann ist es sinnvoll, sich für jede Verwendung eine Markierung an die Chemikalienflasche zu machen, damit man den Überblick nicht verliert. Weiterhin verlängert sich die notwendige Entwicklungs- bzw. Fixierzeit bei Mehrfachbenutzung, die Anleitung sollte etwas über diesen Verlängerungsfaktor enthalten.

Das Stoppbad kann über Ausguss oder Toilette entsorgt werden. Beim Entwickler scheiden sich die Geister, angeblich sind kleine Mengen von ab und zu mal ca. einem Liter ebenfalls über die Toilette zu entsorgen in Ordnung. Beim Fixierer sieht es jedoch anders aus, der sollte auf jeden Fall zur Schadstoffsammlung gebracht werden.

Zum Abschluss möchte ich noch eine iPhone-App empfehlen, die sowohl die Daten für Entwicklungszeiten nach Film-Entwickler Kombination beinhaltet, als auch einen Timer, der euch den Kipprhythmus vorgibt. Kostet ein paar Euro, ist aber meiner Ansicht nach sehr hilfreich. Verfügbar ist sie für Apple, Android und Nokia.