Was macht eigentlich ein "gutes" Foto aus?

Was macht eigentlich ein „gutes“ Foto aus?

Irgendwie haben ja alle Fotografen ein gemeinsames Ziel, nämlich gute Fotos zu machen. Aber was ist überhaupt „gut“, was macht ein gutes Foto aus? Das Thema ist natürlich höchst subjektiv. Und das ist auch gut so, sonst sähen ja alle Fotos mehr oder weniger gleich aus. Wenn man nun aber ein Foto gemacht hat, oder bei einem anderen Fotografen sieht, dass einem gefällt, finde ich sehr spannend, sich zu fragen, was genau das Foto zu einem guten Foto macht.

Ich habe mir also einfach mal ein paar Fotos (unabhängig davon, wer sie gemacht) vorgenommen und versucht daraus die Kriterien abzuleiten, die für mich dieses Foto zu einem guten machen.

Emotionen

Hier kann man noch unterscheiden zwischen Fotos, die Emotionen abbilden und solchen, die Emotionen beim Betrachter auslösen. Ich finde letzteres deutlich schwerer und wenn alles stimmt auch deutlich wirkungsvoller. Wobei auch hier die Übergänge fließend sind. Als Beispiel möchte ich hier die ausdrucksstarken Portraits von Lee Jeffries anführen.

Farben

Der bewusste Einsatz von Farben und Farbkontrasten kann aus meiner Sicht für sich alleine schon der inhaltliche Schwerpunkt eines Fotos sein. Umgedreht könnte man sagen, dass diese Fotos in schwarzweiß nicht (oder zumindest schlechter) „funktionieren“ würden. Beispiele: „Electric Blue“ von Miles Morgan und „Dancing Colors No.4″ von Fabian Oefner. Aber bitte: kein ColorKey. (Danke.)

Komposition

Hier steht die gekonnte Bildaufteilung und das Spiel mit Formen und Linien im Mittelpunkt des Bildes. Für mich ist das beispielsweise ein zentraler Schwerpunkt der (Innen-) Architekturfotografie. Beispiele wären „Curvy“ von Bildwerker Freiburg oder „y II“ von Philipp Richert.

Perspektive

Ungewöhnliche Perspektiven machen solche Fotos zu etwas Besonderem. Prominentes Beispiel sind die Fotos von Yann Arthus Bertrand („Earth from above“). Als weitere Beispiele noch „Looking up“ von Marsel van Oosten und „i’ll make ya famous“ von RoofTopper.

Bildaussage

Unabhängig von den sonstigen gestalterischen Elementen, kann alleine die Aussage, die in einem Bild steckt, es zu einem guten Foto machen. Sofern man sie versteht. Und das ist meiner Ansicht nach auch das schwierige dabei – die Aussage so umzusetzen, dass es nicht zu offensichtlich und platt wirkt, aber dennoch verstanden werden kann. Hier war es gar nicht so einfach entsprechende Beispiele zu finden. Ganz passend finde ich aber „Calling the Reaper“ von Stefan Mueller.

Der besondere Moment

Hier ist das Timing entscheidend. Solche Fotos zeigen einen besonderen Moment, der so nicht wiederkommt und das Foto dadurch einmalig und wertvoll macht. Ein Beispiel dafür ist „4 vs 1“ von Uda Dennie, „mitf6 / pacu jawi“ von Yaman Ibrahim oder „the monkey who saw too much“ von Adde Adesokan.

Einblicke

Einen besonderen Reiz haben auch Fotos, die dem Betrachter Einblicke gewähren, die er sonst nicht hätte, also den „Blick hinter die Kulissen“. Ein Beispiel wäre hier der flickr-Stream des weißen Hauses. Wer hat sonst schon die Möglichkeit, den US-Präsidenten bei seiner täglichen Arbeit zu beobachten?

Kontraste

Gekonnter Einsatz von Kontrasten kann einem Bild eine besonders starke Wirkung geben. Neben dem allseits bekannten Tonwertkontrast gibt es noch viele weitere Arten von Kontrasten, zum Beispiel verschiedene Arten von Farbkontrasten, Quantitätskontrast, Qualitätskontrast oder auch inhaltliche Kontraste. Allen gemein ist das Gegenüberstellen von gegensätzlichen Bildinhalten, die damit eine Bildspannung erzeugen. Ein Beispiel für Farbkontrast (Komplementärkontrast) ist „Amid Myriads of Stars“ von AtomicZen, Tonwertkontrast: „Clearing Storm“ von Chaluntorn Preeyasombat, Quantitätskontrast: „Close up with the nature“ von Anan Charoenkal.

Geschichten

Besonders schwer, aber auch besonders schön ist, wenn es dem Fotografen gelingt, mit einem einzelnen Foto eine ganze Geschichte zu erzählen. Ein Beispiel hierfür ist „The parting“ von Luke Sharratt oder „2. Revenge“ von Mikaella Speranskaya.

Letztendlich gibt es nicht das eine Kriterium, dass ein Foto gut macht, es wird immer eine Mischung aus verschiedenen sein. Wobei ich schon denke, dass eins davon in der Regel besonders viel dazu beiträgt, dass es mir gefällt. Sich einmal deutlich zu machen, was genau das ist, gibt einem auf jeden Fall die Möglichkeit, dies selbst gezielt als Stilmittel einzusetzen.

Was macht für euch ein gutes Foto aus, was fehlt noch in der Liste?